Effektiv lesen im Studium und Lesekompetenz fördern

SQ3R-Methode – Lesetechnik zur Verbesserung des Textverständnisses

Studentin wendet an einem Buch in der Bibliothek die Lesetechnik SQ3R Methode an

Lesen gehört zu den zentralen Lernkompetenzen im Studium – besonders beim Lesen wissenschaftlicher Texte im Fernstudium. Viele Studierende erleben jedoch genau hier große Herausforderungen: Texte wirken komplex, der Überblick geht verloren und das Gelesene bleibt kaum im Gedächtnis. Das ist kein individuelles Versagen, sondern typisch für anspruchsvolle Fachliteratur, die aktives und strukturiertes Lesen erfordert. Genau hier setzt die SQ3RMethode an – eine bewährte Lesetechnik aus der Lernpsychologie. Sie hilft dir, wissenschaftliche Texte systematisch zu erschließen, Inhalte besser zu verstehen und langfristig zu behalten. Als eine der effektivsten Lernstrategien im Studium unterstützt SQ3R besonders im Fern und berufsbegleitenden Studium dabei, Texte zielgerichtet, effizient und nachhaltig zu bearbeiten. 

Warum Lesen im Studium oft schwerfällt – und wie du es ändern kannst

Wissenschaftliche Texte lesen sich ganz anders als Romane oder Alltagsliteratur. Sie sind meist informationsreich, komplex verdichtet, theorie- oder forschungsbasiert und häufig abstrakt formuliert. Für viele Studierende bedeutet das: Man liest Zeile für Zeile – und stellt am Ende fest, dass kaum etwas hängen geblieben ist. 

Das hat nichts mit mangelnder Fähigkeit zu tun. Es liegt daran, dass wissenschaftliche Texte ein aktives, denkendes Lesen erfordern. Effektives Lesen ist kein passiver Vorgang, sondern ein mehrstufiger, kognitiver Prozess, der Struktur, Steuerung und Wiederholung braucht. 

Ohne Methode entsteht schnell das Gefühl, „im Text zu versinken“: 

  • der Überblick fehlt, 
  • wichtige Stellen werden übersehen, 
  • Markierungen häufen sich, ohne dass sie helfen, 
  • das Gelesene ist nach kurzer Zeit wieder weg. 

Genau an diesem Punkt kommt SQ3R ins Spiel. 

Die SQ3RMethode ist eine bewährte, leicht erlernbare Technik, die dir hilft, wissenschaftliche Texte wirklich zu verstehen – statt sie nur zu überfliegen. Der Name mag kryptisch wirken, aber das Konzept dahinter ist erstaunlich klar, logisch und äußerst wirksam.

Was ist die SQ3R-Methode?

Die SQ3R-Methode besteht aus fünf klaren Schritten. Jeder Schritt aktiviert dein Vorwissen, fördert aktives Lesen und sorgt dafür, dass du Informationen tiefer verarbeitest. 

Der Name SQ3R ist dabei eine Abkürzung für die fünf Schritte, die das Lesen aktiver, strukturierter und nachhaltiger machen. Entwickelt wurde die Methode bereits 1941 von dem US-amerikanischen Psychologen Francis P. Robinson – und obwohl sie damit schon viele Jahrzehnte alt ist, gehört sie bis heute zu den bewährtesten Lesestrategien im Studium. 

Die Buchstaben stehen für: 

  • S – Survey (Überblick verschaffen) 
  • Q – Question (Fragen an den Text formulieren) 
  • R – Read (gezielt lesen) 
  • R – Recite (Inhalte wiedergeben) 
  • R – Review (Wiederholen und überprüfen) 

Diese fünf Schritte unterstützen dich dabei, Inhalte nicht nur zu lesen, sondern wirklich zu verstehen, einzuordnen und langfristig zu behalten. 

Wann ist die SQ3R-Methode sinnvoll?

Die SQ3R-Methode ist ideal, wenn du Texte nicht nur überfliegen, sondern wirklich durchdringen und behalten möchtest. Sie eignet sich besonders: 

  • für die Vorbereitung auf Haus- und Abschlussarbeiten,
  • beim Einstieg in ein neues Thema,
  • für Referate oder Präsentationen,
  • zum Erarbeiten von Überblickstexten, 
  • für das strukturierte Lesen in der Prüfungsphase.

Sie hilft dir außerdem, schnell zu erkennen, welche Texte wirklich relevant sind und welche du aussortieren kannst – vor allem im ersten Schritt S – Survey. 

Im Gegensatz zu Speed-Reading-Techniken geht es bei SQ3R nicht darum, schneller zu lesen, sondern besser: Das Ziel ist ein tiefes Textverständnis statt hoher Lesegeschwindigkeit. 

Natürlich kostet die Methode etwas mehr Zeit und Konzentration. Deshalb lohnt sich ein kleiner Abwägungscheck: 
Ist der Text wichtig genug für eine intensive Bearbeitung? – Wenn ja, ist SQ3R eine hervorragende Wahl. 

Tipp: Probier es aus! 

Wie bei vielen Lernstrategien gilt auch hier: Der Effekt zeigt sich erst, wenn du die Methode ein paar Mal ausprobierst. Teste sie ruhig an einem Text, der für dich relevant ist, und beobachte, ob du danach ein klareres, strukturierteres Verständnis hast. 

Viele Studierende berichten, dass sie mit SQ3R nicht nur besser verstehen, sondern sich auch länger erinnern, weniger nachschlagen müssen und insgesamt effizienter lernen.

Wie funktioniert SQ3R? – Die fünf Schritte im Einzelnen

1. Survey – Einen schnellen Überblick gewinnen

Bevor du tief in einen Text einsteigst, lohnt sich ein kurzer, strategischer Blick von außen. Genau das ist der erste Schritt der SQ3R-Methode: Survey. Dabei geht es darum, dir einen schnellen Überblick zu verschaffen, bevor du mit dem eigentlichen Lesen beginnst. 

Was solltest du dir ansehen? 

  • Titel und Untertitel 
  • Abstract oder bei Büchern der Text auf der Umschlagrückseite 
  • Inhaltsverzeichnis bzw. Kapitelüberschriften 
  • Einleitung und Schlusskapitel 
  • Absätze, Hervorhebungen, Zwischenüberschriften 
  • Grafiken, Tabellen oder Zusammenfassungen, da sie wichtige Inhalte bündeln 

Du musst an dieser Stelle noch nicht wirklich lesen – es reicht, den Text kurz zu überfliegen und dir erste Orientierungspunkte zu holen. Dein Gehirn bekommt dadurch ein mentales Gerüst, an dem es sich später beim detaillierten Lesen entlanghangeln kann. Das beugt Überforderung vor und schafft Struktur, bevor du inhaltlich einsteigst. 

Warum ist dieser Schritt so wichtig? 

Durch dieses erste Sichten entwickelt sich sehr schnell ein Gefühl dafür, wie der Text aufgebaut ist, welche Themen im Mittelpunkt stehen und worauf du beim Lesen achten solltest. Gleichzeitig erkennst du frühzeitig, ob der Text für dein Thema überhaupt relevant ist. 

Gerade im Studium – zum Beispiel bei der Recherche für eine Hausarbeit – kann dir dieser Schritt enorm viel Zeit sparen. Häufig zeigt sich schon beim ersten Durchblättern, ob sich eine vollständige Lektüre lohnt oder ob du das Material lieber zur Seite legst. So vermeidest du unnötiges Volltextlesen und konzentrierst dich auf die Quellen, die dir wirklich weiterhelfen. 

Fazit: Der Survey-Schritt bildet die Grundlage für den gesamten SQ3R-Prozess. Er schafft Orientierung, erleichtert das anschließende Verständnis und hilft dir, gezielt die Texte auszuwählen, die für deine wissenschaftliche Arbeit, Prüfungsvorbereitung oder Recherche tatsächlich relevant sind.

 

2. Question – Aktive Fragen stellen und den Text gezielt vorbereiten 

Nachdem du dir im ersten Schritt einen Überblick verschafft hast, folgt nun der zentrale Teil der SQ3R-Methode: Fragen formulieren.  

Dieser Schritt macht aus einem passiven Lesen ein aktives, zielgerichtetes Arbeiten am Text – und genau das steigert nachweislich dein Verständnis. 

Warum sind Fragen so wichtig? 

Fragen aktivieren dein Vorwissen und lenken deine Aufmerksamkeit auf das, was für dich wirklich relevant ist. Statt einfach nur „draufloszulesen“, suchst du nun aktiv nach Antworten. Dein Lesen wird dadurch fokussierter, motivierter und deutlich effizienter. 

Studien zeigen, dass gezieltes Fragenstellen die Verarbeitungstiefe erhöht und Informationen besser im Langzeitgedächtnis verankert werden. Kurz gesagt: 
Wer fragt, lernt besser. 

Welche Fragen kannst du stellen? 

Formuliere Fragen, die dir helfen, den Text mit einem klaren Ziel vor Augen zu lesen. Beispiele: 

  • „Worum geht es in diesem Abschnitt?“ 
  • „Warum ist das für mein Studium oder meine Fragestellung wichtig?“ 
  • „Welche Begriffe oder Konzepte muss ich wirklich verstehen?“ 
  • „Welche Informationen brauche ich für meine Hausarbeit oder Prüfung?“ 

Eine einfache Methode besteht darin, die Überschriften in Fragen umzuwandeln. Du kannst dich aber auch an deiner eigenen Lernsituation orientieren: 

  • Was möchte ich aus diesem Text mitnehmen? 
  • Welche Antworten brauche ich, damit die Lektüre sinnvoll ist? 
  • Welche Inhalte muss der Text liefern, damit ich ihn einsetzen kann? 

Ein Beispiel aus der Praxis 

Stell dir vor, du bereitest eine Hausarbeit zum Thema Inklusion in der Grundschule vor. Beim ersten Überblick hast du ein Fachbuch gefunden, bist dir aber noch unsicher, ob es wirklich relevant ist. Im QuestionSchritt könnten deine Leitfragen dann so aussehen: 

  • „Wie wird Inklusion in diesem Buch definiert?“ 
  • „Welche Herausforderungen im Schulalltag werden beschrieben?“ 
  • „Welche pädagogischen Ansätze oder Modelle stellt der Autor vor?“ 
  • „Welche Empfehlungen gibt es für die praktische Umsetzung?“ 

Mit solchen Fragen liest du viel gezielter: Du suchst automatisch nach den Stellen, die für deine Fragestellung wichtig sind – und kannst schneller entscheiden, ob der Text wirklich weiterhilft oder nicht. 

Fazit: Der QuestionSchritt verwandelt passives Lesen in eine aktive Suchbewegung. Du setzt einen klaren Fokus, schärfst dein Lernziel und bereitest deinen Kopf optimal auf die nächste Phase vor: das gezielte Lesen. Damit legst du die Grundlage für ein tiefes Textverständnis und ein effizientes wissenschaftliches Arbeiten.

 

3. Read – Aktiv und mit Fokus lesen 

Nachdem du dir einen Überblick verschafft und deine Leitfragen formuliert hast, beginnt nun der zentrale Teil des SQ3RProzesses: das aktive, zielgerichtete Lesen. Hier liest du nicht einfach nur „durch“, sondern suchst bewusst nach den Informationen, die du zur Beantwortung deiner Fragen brauchst. 

So liest du im ReadSchritt richtig: 

  • Suche gezielt nach Antworten auf deine zuvor formulierten Fragen. 
  • Vergleiche neue Informationen mit deinem Vorwissen – das hilft dir, Inhalte besser einzuordnen. 
  • Markiere sparsam und strukturiert: nur das, was wirklich relevant ist. 
  • Halte inne, wenn du merkst, dass du den Faden verlierst. Ein kurzer Stopp oder ein erneutes Lesen eines Abschnitts kann helfen, den Überblick wiederzufinden. 

Die Kunst besteht darin, bewusst und selektiv zu lesen. Nicht alles ist gleich wichtig – und genau das lernst du in diesem Schritt zu unterscheiden. 

Ein anschauliches Beispiel 

Stell dir vor, du liest einen Text für eine Hausarbeit über Bindungstheorie in der frühen Kindheit. Deine Leitfragen könnten sich etwa auf Bindungstypen oder die Bedeutung feinfühliger Interaktionen beziehen. Beim Lesen gehst du dann Abschnitt für Abschnitt vor und markierst nur das, was unmittelbar mit deinen Fragen zu tun hat: 

  • Eine Definition von „sicherer Bindung“ 
  • Ein Beispiel für unsichervermeidendes Verhalten 
  • Ein Modell zur Entstehung von Bindung 
  • Hinweise auf praktische Implikationen für die pädagogische Arbeit 

Notiere dir am Rand kurze Schlüsselwörter wie „Def. sichere Bindung“, „Beispiel“, „Modell Bowlby“ – so findest du später schnell die Stellen wieder, die für die nächsten Schritte wichtig sind. 

Warum ist dieser Schritt so wirkungsvoll? 

Aktives Lesen sorgt dafür, dass du Inhalte nicht einfach konsumierst, sondern verstehst, filterst und verknüpfst. Das macht den Lernprozess nachhaltiger und erleichtert dir später das Zusammenfassen, Wiedergeben und Anwenden des Gelesenen.

 

4. Recite – Inhalte in eigenen Worten wiedergeben 

Der vierte Schritt der SQ3RMethode ist einer der wirkungsvollsten: Recite. Hier entscheidest du, ob du den Text wirklich verstanden hast. Statt weiterzulesen, hältst du bewusst inne und gibst das Gelesene in eigenen Worten wieder – ohne in den Text zu schauen. 

Warum ist dieser Schritt so wichtig? 

Recite ist die Brücke zum Active Recall, einer der effektivsten Lernstrategien. Wenn du Inhalte aus dem Gedächtnis abrufst, prüft dein Gehirn: 

  • Was habe ich wirklich verstanden? 
  • Was sind die zentralen Aussagen? 
  • Könnte ich das jemandem erklären? 

Genau dieser aktive Abruf sorgt dafür, dass Wissen nicht einfach „durchrauscht“, sondern langfristig gespeichert wird. 

So setzt du den ReciteSchritt um: 

Gehe nach jedem Abschnitt kurz in die Wiederholung: 

  • Formuliere laut oder schriftlich, was die wichtigsten Punkte waren. 
  • Schreibe die Kernaussagen in deinen eigenen Worten auf. 
  • Nutze deine Fragen aus Schritt 2 als Orientierung: Welche Antworten habe ich jetzt? 
  • Wenn es dir hilft, erstelle eine Mindmap oder eine kleine Skizze zur Struktur. 

Wortwörtliche Formulierungen solltest du nur dann notieren, wenn du sie später als Zitat brauchst. Markiere solche Stellen unbedingt mit Seitenzahl und Quelle, um sie später sauber von deinen eigenen Gedanken trennen zu können. 

Was bewirkt der ReciteSchritt? 

Durch das Wiedergeben festigst du: 

  • dein Verständnis, 
  • die Struktur des Textes, 
  • und den Transfer in dein eigenes Denken. 

Dieser Schritt ist entscheidend, wenn du Inhalte später abrufen möchtest – sei es für eine Hausarbeit, eine Prüfung oder ein Referat. 

 

5. Review – Wiederholen, verknüpfen und nachhaltig verankern 

Der fünfte Schritt der SQ3RMethode schließt den gesamten Lernprozess ab: Review. Jetzt geht es darum, dein Verständnis zu sichern, offene Fragen zu klären und das Gelernte sinnvoll zu vernetzen. Erst durch diesen letzten Schritt wird aus dem Gelesenen dauerhaftes Wissen. 

Was gehört zum ReviewSchritt? 

  • Überprüfe dein Verständnis: 
    Gehe deine Notizen, Markierungen und Zusammenfassungen durch. 
  • Klär offene Fragen: 
    Wurden alle Fragen aus Schritt 2 beantwortet? Gibt es Lücken? 
  • Wiederhole schwierige Stellen: 
    Lies zentrale Abschnitte noch einmal in Ruhe nach. 
  • Verbinde Inhalte miteinander: 
    Stelle Zusammenhänge her – zwischen Kapiteln, Konzepten oder Beispielen. 

Diese Wiederholung sorgt dafür, dass die Inhalte nicht isoliert bleiben, sondern sich in dein bestehendes Wissen einordnen. 

Wie du im ReviewSchritt optimal vorgehst 

Nimm dir Zeit, deine Notizen systematisch durchzugehen. Ergänze Stellen, die noch unklar sind, und schreibe eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse – idealerweise in wenigen Sätzen. 

Gerade bei umfangreicheren wissenschaftlichen Texten oder ganzen Büchern kann es hilfreich sein, deine Ergebnisse in einer Mindmap, einer Übersichtsgrafik oder einer kurzen Zusammenfassung auf einer Seite darzustellen. So erkennst du nicht nur, was wichtig ist, sondern auch, wie alles miteinander zusammenhängt. 

Wenn du für eine Prüfung lernst, lohnt es sich besonders, regelmäßig zu diesem Schritt zurückzukehren. Das wiederholte Durchgehen deiner Notizen stärkt den langfristigen Lerneffekt und sorgt dafür, dass du die Inhalte sicher abrufen kannst. 

Was bewirkt der Review-Schritt? 

Review verwandelt „Stoff“ in Wissen. 
Erst durch dieses bewusste Wiederholen und Verknüpfen entsteht ein tiefes Verständnis – und genau das macht die SQ3RMethode so wirkungsvoll. 

Warum SQ3R so gut mit modernen Lernmethoden harmoniert

Die SQ3RMethode wirkt auf den ersten Blick wie ein Klassiker aus der Lernpsychologie – und das ist sie auch. Doch gerade weil sie auf grundlegenden Prinzipien der Informationsverarbeitung basiert, lässt sie sich hervorragend mit modernen, evidenzbasierten Lernstrategien kombinieren, die du vielleicht bereits aus unseren anderen PFHArtikeln kennst. 

SQ3R schafft dabei einen klar strukturierten Rahmen, in dem aktuelle Methoden optimal eingesetzt werden können: 

Jede dieser Strategien wirkt an einer anderen Stelle des Lernprozesses – und genau das macht die Kombination so wirkungsvoll. 

Wo Recite den aktiven Abruf trainiert, stärkt Review durch Wiederholung in Abständen das Langzeitgedächtnis. Die PomodoroTechnik wiederum setzt klare, konzentrierte Zeitfenster, die sich ideal für einzelne SQ3RDurchgänge eignen. Auf diese Weise entsteht ein nachhaltiger Lernkreislauf: Du bereitest Inhalte strukturiert vor, setzt dich aktiv damit auseinander und verankerst sie langfristig. 

So zeigt sich, dass SQ3R nicht nur eine traditionelle Lesemethode ist, sondern ein flexibles Werkzeug, das mit modernen Lernansätzen Hand in Hand geht – und dir hilft, wissenschaftliche Texte effizienter, motivierter und nachhaltig erfolgreicher zu bearbeiten. 

Konkretes Beispiel: So nutzt du SQ3R bei einem wissenschaftlichen Artikel

Angenommen, du liest einen Artikel über „Bindung in der Sozialen Arbeit“: 

  • Survey: Überschriften, Abstract, Fazit überfliegen 
  • Question:  
    • „Wie definiert der Autor Bindung?“
    • „Welche Praxisbeispiele gibt es?“ 
  • Read: Antworten suchen, Schlüsselbegriffe markieren
  • Recite: Kernaussagen in eigenen Worten wiedergeben 
  • Review: Zusammenfassung schreiben, Lücken schließen 

So wird ein komplexer Text Schritt für Schritt verständlich und prüfungsrelevant. 

Erfahrungsbericht: Die Lesetechnik als Erfolgsfaktor bei der Abschlussarbeit

Wie theoretisch gute Lernmethoden im Studienalltag wirklich funktionieren, zeigt sich oft erst in der Anwendung. Gerade beim Lesen wissenschaftlicher Texte, bei großen Literaturmengen und unter Zeitdruck stellt sich die Frage: Hilft die SQ3RMethode tatsächlich dabei, den Überblick zu behalten und effizient vom Lesen ins Schreiben zu kommen? 

Ein Erfahrungsbericht aus der Praxis macht genau das greifbar. Joschka Riedel, Online-Marketing-Manager an der PFH, beschreibt, wie er SQ3R während seiner Magisterarbeit – zunächst intuitiv – eingesetzt hat, um komplexe Fachliteratur zu strukturieren, relevante Inhalte gezielt herauszufiltern und den roten Faden über viele Texte hinweg zu behalten. Sein Beispiel zeigt anschaulich, wie effektives Lesen im Studium und wissenschaftliches Schreiben mit SQ3R sinnvoll ineinandergreifen können – und warum diese Lesetechnik nicht nur theoretisch überzeugt, sondern sich auch im realen Studien- und Arbeitsalltag bewährt. 

SQ3R in der Praxis – vom Lesen zum Schreiben 

„Während meiner Magisterarbeit habe ich SQ3R eher intuitiv auf große Textmengen angewendet. Ich musste viele Quellen parallel durcharbeiten, habe deshalb zunächst viel quergelesen, um mir einen Überblick zu verschaffen (Survey). Parallel dazu habe ich mir implizit Leitfragen gesetzt: Was ist für mein Thema wirklich relevant? (Question). 

Beim Lesen habe ich dann gezielt Passagen markiert und nur das herausgefiltert, was ich später verwenden konnte (Read). Diese Stellen habe ich anschließend in einem Worddokument exzerpiert und farblich meinen Kapiteln zugeordnet – das war für mich eine Form von Recite, weil ich Inhalte bereits strukturiert zusammengeführt habe. 

Im nächsten Schritt habe ich pro Kapitel alle passenden Auszüge gebündelt und daraus meine Texte in eigenen Worten formuliert. Dieses Zusammenführen und Verdichten entspricht für mich dem Review. 

Rückblickend hat mir diese Arbeitsweise enorm geholfen, große Literaturmengen zu strukturieren, den roten Faden zu behalten und effizient von der Recherche ins Schreiben zu kommen.“ 

Fehler beim Lesen – und wie SQ3R sie vermeidet

Viele Studierende kennen das: Man liest einen Text von Anfang bis Ende – und trotzdem bleibt am Ende erstaunlich wenig hängen. Häufig liegt das nicht am Text selbst, sondern daran, wie wir lesen. Ohne strukturierte Methode neigen wir dazu, einfach „durchzulesen“, wichtige Begriffe wahllos zu markieren oder uns in Details zu verlieren, ohne das große Ganze zu erfassen. Oft fehlt ein klarer Überblick, Zusammenhänge verschwimmen – und spätestens in der Prüfung merkt man, dass das Gelernte kaum abrufbar ist. 

Ohne Methode passiert häufig: 

  • passives „Durchlesen“ 
  • wahlloses Markieren 
  • fehlender Überblick 
  • Inhalte verschwinden sofort wieder aus dem Gedächtnis 
  • kein Transfer in die Prüfung 

Genau hier setzt die SQ3RMethode an. Sie bringt Ordnung in den Leseprozess und verwandelt passives Konsumieren in aktives Verstehen. Anstatt unstrukturiert vorzugehen, leitest du dein Lesen bewusst: Du bereitest dich vor, setzt Schwerpunkte, arbeitest mit gezielten Fragen und kontrollierst am Ende dein Verständnis. Dadurch entsteht ein klarer Lernpfad, der dafür sorgt, dass Inhalte nicht nur kurzfristig im Kopf landen, sondern wirklich verarbeitet und gespeichert werden. 

Mit SQ3R liest du nicht mehr „einfach irgendwie“ – sondern gezielt und nachhaltig und hast einen klaren Lernpfad.

Fazit: Mit SQ3R liest du nicht mehr nur – du lernst

SQ3R ist keine zeitaufwändige Technik, sondern eine effektive Struktur, die dich im Studium unterstützt: 

  • du liest fokussierter 
  • verstehst komplexe Texte leichter 
  • behältst Inhalte nachhaltig 
  • lernst effizienter für Prüfungen 

Besonders im Fernstudium, in dem du viel selbstverantwortlich arbeitest, ist SQ3R ein echter Gamechanger.

Weiterführende Literatur

Kruse, O. (2018). Lesen und Schreiben: Der richtige Umgang mit Texten im Studium (3., überarb. und erw. Aufl.). UTB. 

Lange, U. (2025). Fachtexte lesen – verstehen – wiedergeben (3. Aufl.). UTB. 

Robinson, F. P. (1941). Effective study. Harper & Brothers. 

Robinson, F. P. (1970). Effective study (4th ed.). Harper & Row.

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Joschka Riedel
Unser Experte
Joschka Riedel
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Joschka Riedel ist Online‑Marketing-Manager mit dem Schwerpunkt SEO/GEO, Content‑Strategie, Textentwicklung und digitale Kommunikation. In seinem Arbeitsalltag plant, strukturiert und verfasst er Inhalte für unterschiedliche Zielgruppen – häufig unter Zeitdruck und mit mehreren Projekten parallel. Dabei spielen effiziente Arbeits‑ und Lesestrategien eine zentrale Rolle.
Im PFH‑Blog bringt er die Perspektive der praktischen Anwendung ein und zeigt, wie Lern‑ und Strukturmethoden wie SQ3R nicht nur im Studium, sondern auch im beruflichen Kontext helfen können, Informationen gezielt zu erfassen, Inhalte weiterzuverarbeiten und den Überblick zu behalten.
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Prof. Dr. Jutta List-Ivankovic
Unsere Expertin
Prof. Dr. Jutta List-Ivankovic
Soziale Arbeit
Sozialpädagogik
Digitalisierung in Lehre und Praxis
Prof. Dr. Jutta List‑Ivankovic ist Professorin für Soziale Arbeit und Sozialpädagogik an der PFH Göttingen. Lesen gehört zu den zentralen Lernkompetenzen im Studium – und ist zugleich für viele Studierende eine Herausforderung. In ihrer Lehre und in ihren Blogbeiträgen verbindet sie lernpsychologische Erkenntnisse mit praktischen Methoden wie der SQ3R‑Lesetechnik. Ihr Anliegen ist es, Studierende zu ermutigen, ihren eigenen Lernweg zu finden und mit wirksamen Strategien und Techniken strukturiert, sicher und mit mehr Freude zu lernen.