Mit System Wissen aufbauen, sichern und Lernaufwand reduzieren

Spaced Repetition - Durch Wiederholung nachhaltig und strukturiert lernen

Karteikasten-Karten vor dunklem Hintergrund als Bestandteil der Spaced Repetition Lernmethode

Studierende kennen das Dilemma: viel Stoff, wenig Zeit und kurz vor der Prüfung ist vieles wieder weg. Spaced Repetition löst genau dieses Problem: Inhalte werden in zunehmenden Zeitabständen wiederholt, sodass sie leicht vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis übergehen. Der sogenannte „Spacing Effekt“ wird genutzt. Die Methode ist gut erforscht und einfach umsetzbar, ob analog mit Karteikarten oder digital per App. Die Methode wirkt besonders stark in Fern- und Online-Studiengängen, in denen Selbstorganisation entscheidend ist. 

Was ist Spaced Repetition?

Spaced Repetition ist eine Lernmethode, die Wiederholungen systematisch über die Zeit verteilt. Statt geballtem Pauken (Massed Practice) werden Inhalte immer dann wiederholt, wenn wir kurz davor sind, sie zu vergessen und so ist die Gedächtniswirkung maximal. 

Der Lernstoff wird in langsam größer werdenden Zeitabständen mehrmals wiederholt und dadurch ein besserer und länger andauernder Lerneffekt erreicht.  

Grundprinzip: Richtiges Timing der Wiederholung bietet maximalen Effekt! 

Gut getaktete Wiederholungen entfalten eine stärkere Lernwirkung als möglichst viele Wiederholungen. 

Abgrenzung: Im Gegensatz zum klassischen „Auswendiglernen“ nutzt Spaced Repetition adaptive Intervalle und aktiven Abruf (Active Recall), um Wissen stabil zu verankern.

Wie ist die Methode Spaced Repetition entstanden?

Spaced Repetition hat eine spannende Geschichte und sie zeigt, dass gutes Lernen kein Trend, sondern solide Wissenschaft ist. 

  • Die Anfänge: Hermann Ebbinghaus (1885) 
    Alles begann mit dem Psychologen Hermann Ebbinghaus, der als Erster systematisch untersuchte, wie wir vergessen. Seine berühmte Vergessenskurve zeigt: Ohne Wiederholung fällt unsere Erinnerungsleistung rasant ab. Diese Erkenntnis bildet bis heute das Fundament moderner Lernstrategien. 
  • Der didaktische Durchbruch: Sebastian Leitner (1970er Jahre) 
    Fast ein Jahrhundert später entwickelte Sebastian Leitner ein System, das Lernen endlich alltagstauglich machte: den Leitner-Karteikasten. Karten wandern je nach Lernerfolg in Boxen mit größeren Zeitabständen. Das ist ein einfaches und geniales Prinzip, das Active Recall und Spacing perfekt verbindet. 
  • Die digitale Ära: Algorithmen ab den 1990ern 
    Mit Computern wurde Spaced Repetition noch smarter. Programme wie Super-Memo oder später Anki nutzen Algorithmen, die Wiederholungszeitpunkte individuell berechnen, basierend darauf, wie sicher du dir bei einer Antwort bist. So entsteht ein hochgradig personalisiertes Lernsystem, das deine Gedächtnisleistung optimal nutzt. 

Die wissenschaftliche Evidenz ist klar und robust: Metaanalysen zeigen heute eindeutig: Sowohl der Spacing Effect als auch der Testing Effect funktionieren zuverlässig, und zwar über verschiedene Fächer, Altersgruppen und Lernmaterialien hinweg. Spaced Repetition ist damit nicht nur ein cleverer Trick, sondern eine der bestuntersuchten und wirksamsten Lernstrategien überhaupt.

Wie funktioniert Spaced Repetition genau?

Spaced Repetition folgt einem klaren Prinzip:  

  • Du lernst nicht mehr, sondern intelligenter.  
  • Wiederholungen werden zeitlich so gesetzt, dass dein Gedächtnis optimal arbeitet.  

Drei Bausteine sind dabei entscheidend: 

1) Aktiver Abruf (Active Recall) 

Statt passiv zu lesen, rufst du dein Wissen aktiv ab: Frage → Antwort. Jeder Abrufversuch stärkt die Gedächtnispfade und sorgt dafür, dass Informationen dauerhaft verankert werden. Forschung zeigt eindeutig, dass aktives Abrufen klassischen Wiederholungsmethoden weit überlegen ist. 

2) Verteilte Wiederholungsintervalle 

Nach jeder Karte schätzt du ein, wie sicher du dir warst. Fällt dir die Antwort leicht, verlängert sich das nächste Intervall; fällt sie dir schwer, wiederholst du früher. So investierst du deine Lernzeit genau dort, wo sie den größten Effekt hat: bei Inhalten, die noch nicht stabil abgespeichert sind. 

3) Adaptive Planung 

Digitale Tools übernehmen diese Planung automatisch und zeigen dir nur an, was „heute fällig“ ist. Analoge Varianten nutzen das Leitner-Prinzip: Karten wandern in Boxen mit wachsenden Abständen. Das ist ein ebenso einfaches wie wirksames System. 

Typische Intervalle im Leitner-Kasten: 

  • Fach 1: täglich 
  • Fach 2: alle 2–3 Tage 
  • Fach 3: wöchentlich 
  • Fach 4: zweiwöchentlich 
  • Fach 5: monatlich (zur Langzeitfestigung) 

So entsteht ein Lernrhythmus, der sich perfekt an deine individuelle Erinnerungsleistung anpasst, und zwar mit maximalem Lerngewinn. 

Warum wirkt das? 

Spaced Repetition funktioniert so gut, weil es genau an den Mechanismen ansetzt, die unser Gedächtnis wirklich stärken: 

  • Wiederholung kurz vor dem Vergessen 
    Wenn du Inhalte genau dann wiederholst, wenn sie gerade beginnen zu verblassen, werden sie besonders stark im Langzeitgedächtnis verankert. Das ist der optimale Moment für Gedächtniskonsolidierung. 
  • Fehlersignale als Lernbooster 
    Wenn du beim Abrufen ins Stolpern gerätst oder eine Lücke bemerkst, liefert dein Gehirn ein wertvolles „Fehlersignal“. Genau diese Stellen trainierst du, und vermeidest so typische Blackouts in Prüfungen. 
  • Klare metakognitive Rückmeldung 
    Du erkennst, was du wirklich beherrschst, statt dich von einem oberflächlichen „kommt mir bekannt vor“ täuschen zu lassen. Das macht dein Lernen ehrlicher, zielgerichteter und deutlich effizienter. 

Wie wendest du Spaced Repetition konkret an?

Spaced Repetition klingt hochtrabend, ist aber im Alltag superleicht umzusetzen.  
So baust du Schritt für Schritt eine Lernroutine auf, die wirklich funktioniert und sich problemlos mit Studium, Job oder Alltag verbinden lässt. 

Schritt für Schritt: 

1. Lernziele klären & Stoff strukturieren 
Bevor du startest, bündle deine Themen: Kapitel, Module, Lernziele. Eine klare Struktur spart später enorm viel Zeit. 

2. Karten erstellen – digital oder analog 
Eine Karte = eine Idee. Je präziser, desto besser. Das hält deinen Abruf sauber und klar. 

3. Active-Recall-Format nutzen 
Vorne steht immer eine Frage, hinten die Antwort. Alternativ: Cloze Deletion (Lückentexte) für Definitionen, Modelle oder Formeln. 

4. Erste Lernrunde starten 
Lerne kleine Sets (20–40 Karten), um nicht zu überfrachten. Ziel: Überblick gewinnen. 

5. Tägliche Wiederholungen der „fälligen“ Karten 
Kurz, aber regelmäßig: 10–30 Minuten-Blöcke reichen völlig. Perfekt in Pausen zwischen Vorlesungen, Bahnfahrten oder Wartezeiten. 

6. Bewerten: „leicht“, „ok“, „schwer“ 
Je nachdem, wie gut der Abruf gelingt, setzt das Tool (oder der Kasten) längere oder kürzere Intervalle. So verteilt sich deine Lernzeit automatisch optimal. 

7. Wöchentlich reflektieren 
Lange Antworten aufsplitten, Dopplungen entfernen, Beispiele ergänzen. Die Karten sollen klar, knapp und lernfreundlich sein. 

8. Prüfungsnahe Vertiefung 
Wenn die Prüfung näher rückt, ergänze Transferfragen, Anwendungen, Fallbeispiele. So trainierst du nicht nur das reine Auswendiglernen, sondern entwickelst ein echtes Verständnis: Wissen abrufen → Zusammenhänge erkennen → anwenden. Das macht dich sicher für offene Fragen, Praxisbezüge und komplexere Aufgabenstellungen. 

Die wichtigsten Qualitätshebel: Vorbereitung & Kartendesign 

Gute Karten = gutes Lernen. Diese Prinzipien helfen dabei: 

  • Atomar denken: Eine Frage → eine Antwort. 
  • Konkrete Aufträge statt schwammige: „Definiere…“, „Nenne 3 Merkmale…“. 
  • Cloze Deletion: Ideal für Definitionen, Gesetzestexte, Formeln. 
  • Dual Coding: Skizzen, Tabellen, Bilder ergänzen, aber nur, wenn sie die Abrufleistung wirklich unterstützen. 
  • Beispiele & Gegenbeispiele: Stärken das Transferlernen. 
  • Fehlerfreundlich bleiben: Falsche Antworten markieren (z. B. als „Stolperstein“) und gezielt trainieren. 

Tools: digital oder analog – beides funktioniert 

Egal, ob du lieber am Smartphone, Laptop oder mit echten Karteikarten lernst: Diese Tools unterstützen dich perfekt beim Einsatz von Spaced Repetition. 

Digitale Tools (perfekt für unterwegs): 

  • Anki: Der Klassiker – kostenlos, hochgradig anpassbar und mit starkem SRS-Algorithmus. 
  • Rem-Note: Kombiniert Zettelkasten-Notizen mit Spaced Repetition – ideal für komplexe Studienfächer. 
  • Super-Memo: Das wissenschaftliche Original mit besonders fortgeschrittenen Algorithmen (für SRS-Nerds!). 
  • Quizlet (Active-Recall-Modus): Leicht zu bedienen, ideal für schnelle Wiederholungen zwischendurch. 
  • Mochi: Minimalistisch, modern und super für visuelle Lerntypen – unterstützt Markdown und Bilder. 

Analoge Variante: 

Leitner-Karteikasten: 5–7 Fächer, A7Karten, fertig. Ein simples, bewährtes System, das ohne App funktioniert, perfekt für haptische Lernende oder digitales Detox.

Erfahrungsbericht: Spaced Repetition schon im ersten Semester

Spaced Repetition gehört zu den wirkungsvollsten Lernstrategien der modernen Psychologie. Die Methode basiert auf dem Prinzip, Lerninhalte in wachsenden zeitlichen Abständen zu wiederholen, genau dann, wenn das Vergessen einsetzt. Dadurch wird Wissen nicht nur stabiler abgespeichert, sondern auch langfristig abrufbar. Besonders im Studium, wo komplexe Inhalte strukturiert und nachhaltig gelernt werden müssen, entfaltet Spaced Repetition eine enorme Wirkung. 

Auch Lea Krispin, Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Differenzielle und Persönlichkeitspsychologie, hat diese Methode früh für sich entdeckt. Bereits im ersten Semester ihres Psychologiestudiums lernte sie Spaced Repetition kennen und fand darin eine Lernstrategie, die ihren gesamten Studienalltag nachhaltig verändert hat. 

In ihrem Erfahrungsbericht beschreibt Lea, wie sie Spaced Repetition praktisch umgesetzt hat, warum gerade die strukturierte Planung ihr Lernen entspannter und effizienter gemacht hat und weshalb sie heute noch von den einst gelernten Inhalten profitiert. Zugleich zeigt ihr Bericht, wie individuelle Anpassungen, wie das Arbeiten mit farbcodierten Fragen statt klassischer Karteikarten, die Methode persönlich und wirksam machen können: 

„Im ersten Semester meines Psychologiestudiums habe ich in der Vorlesung ‘Allgemeine Psychologie’ bei Prof. Dr. Wenke die Lerntechnik Spaced Repetition kennengelernt. Sie ist mir lustigerweise am nachhaltigsten im Gedächtnis geblieben, vielleicht weil ich sie zu jeder Klausurenphase wiederholt habe? Der Lernerfolg damit war auf jeden Fall beeindruckend und vor allem war es ziemlich entspannt, weil vorher klar war, wann ich was lernen will.   

Die 5 zulernenden Fächer habe ich mir vorerst farblich strukturiert und farblich in einem Kalender markiert, wann ich welchen Prüfungstermin habe. Anschließend plante ich genau ein, wann ich welches Fach lerne.   

Der Schlüssel dieser Technik ist, rechtzeitig zu beginnen! Und realistisch zu planen, wie viele Einheiten man braucht, um den Stoff zu durchdringen. Da ich so etwas gerne plane, war das kein Problem. Aber man muss auch ein bisschen Puffer einplanen!   

Vorab schaute ich außerdem, wie viele Lektionen ich pro Fach lernen musste, und teilte diese sinnvoll auf. Dadurch wurde es an einzelnen Tagen nicht zu viel, und es machte sogar Spaß, sich für ein bis zwei Stunden konzentriert hinzusetzen. Statt Bulimie-lernen setzte ich auf nachhaltiges Lernen und tatsächlich habe ich das Gefühl, heute noch viel von den Inhalten zu wissen.  

Im Lernprozess habe ich nicht mit klassischen Karteikarten gearbeitet. Stattdessen teilte ich die Themen nach Inhalten auf und formulierte zu Beginn jeder Lerneinheit eigene klausurrelevante Fragen, die ich regelmäßig wiederholte. Fragen, die ich sicher beantworten konnte, markierte ich mit einer bestimmten Farbe. So entstand eine Farbsortierung: Inhalte, die ich gut konnte, bekamen eine andere Markierung als diejenigen, die ich häufiger wiederholen musste. Themen, die sicher saßen, stellte ich zunächst zurück, während ich mich gezielt auf unsichere Inhalte konzentrierte. Etwa anderthalb Wochen vor der Klausur wiederholte ich dann alles noch einmal systematisch.  

Ein großer Vorteil dieser Methode ist für mich, dass man sich nicht unnötig lange mit Stoff aufhält, den man ohnehin schon gut verinnerlicht hat. Man lernt effizienter, strukturierter und vor allem langfristiger.“

Welche psychologischen und wissenschaftlichen Grundlagen hat Spaced Repetition?

Spaced Repetition funktioniert nicht zufällig so gut, sondern dahinter steckt robuste Lernpsychologie. Die wichtigsten Effekte in Kürze: 

  • Spacing Effect: Verteilt lernen schlägt massives Pauken. Wiederholungen mit Abstand führen nachweislich zu besserer Behaltensleistung und stärkerem Langzeittransfer. 
  • Testing Effect (Retrieval Practice): Wissen aktiv abzurufen – statt nur zu lesen – stärkt die Gedächtnisspuren deutlich stärker. Jeder Abruf ist ein kleines Training fürs Gehirn. 
  • Desirable Difficulties: „Wünschenswerte Erschwernisse“ wie leichte Abrufanstrengung oder Variation machen das Lernen langfristig stabiler. Ein bisschen Mühe lohnt sich also. 
  • Konsolidierung & Schlaf: Die Pausen zwischen den Wiederholungen geben dem Gehirn Zeit, neue Informationen zu festigen. Schlaf unterstützt zusätzlich die Reorganisation und Integration des Gelernten. 
  • Metakognition: Durch regelmäßiges Feedback (z. B. welche Karten „fällig“ sind) erkennst du, was du wirklich kannst, und vermeidest die klassische Lernillusion „Ich erkenne das doch!“ vs. „Ich kann es wirklich abrufen.“

Beispiele für Spaced Repetition

Spaced Repetition lässt sich in fast jedem Lernkontext einsetzen – von Studium über Beruf bis zu Sprachen oder persönlicher Weiterentwicklung. Hier ein paar typische Einsatzfelder: 

  • Prüfungsvorbereitung: Ideal für Gesetzestexte, Theorien, Modelle und Definitionen. Täglich 15–30 Minuten fällige Karten wiederholen und 2–3 Mal pro Woche neue Karten ergänzen. 
  • Sprachenlernen: Vokabeln, Grammatikregeln oder Phrasen als Cloze-Karten mit Beispielsätzen – perfekt für langfristiges Behalten und aktiven Sprachgebrauch. 
  • Medizin, Psychologie, Soziale Arbeit: Diagnostikkriterien, Klassifikationen, Modelle oder Interventionen als kurze, präzise Karten formulieren – anwendungsnah und prüfungsrelevant. 
  • Berufliche Wissensarbeit: Normen, Frameworks, Abkürzungen, Kennzahlen oder Fachbegriffe mit SRS festigen. Auch ideal fürs Onboarding in neue Themenfelder oder Rollen. 
  • Fernstudium: Tägliche Micro-Sessions (z. B. 2 × 15 Minuten) passen hervorragend in flexible Tagesroutinen und sorgen für kontinuierlichen und nachhaltigen Lernfortschritt.

Techniken & Tools, die perfekt zu Spaced Repetition passen

Spaced Repetition funktioniert am besten, wenn du es mit anderen wirkungsvollen Lernstrategien kombinierst. Diese Methoden ergänzen sich optimal: 

  • Active Recall: Frage-Antwort-Karten, freie Wiedergabe, Brain Dumps – alles, was aktives Abrufen fördert, verstärkt den Spaced-Repetition-Effekt. 
  • Elaboration & Feynman-Methode: Erkläre Inhalte so einfach, als würdest du sie einem Kind beibringen. Aus diesen Erklärungen lassen sich sofort hervorragende Karten ableiten. 
  • Inter-leaving: Mische verschiedene Themen oder Aufgabentypen. Das steigert das Unterscheidungslernen und macht dein Wissen flexibler einsetzbar. 
  • PQ4RMethode (Preview – Question – Read – Reflect – Recite – Review): Besonders stark, weil du aus dem Schritt Question direkt Fragen für neue Karten entwickelst. 
  • Anki-Best-Practice: 
    Tags pro Modul, „Filtered Decks“ für Fokus, Cloze-Karten für Definitionen, Image Occlusion für Diagramme – damit nutzt du das volle Potenzial der App.

Vorteile und Grenzen

Damit du Spaced Repetition realistisch einschätzen und für dich optimal nutzen kannst, lohnt sich ein Blick auf beide Seiten: die starken Vorteile, und die wenigen, aber wichtigen Grenzen, die du im Blick behalten solltest. 

Vorteile von Spaced Repetition 

  • Spaced Repetition gehört nicht ohne Grund zu den effektivsten Lernstrategien überhaupt. Die wichtigsten Vorteile auf einen Blick: 
  • Erheblich höhere Behaltensrate: Du erinnerst dich langfristig besser bei weniger Gesamtlernzeit als beim klassischen „Massed Practice“ (alles auf einmal lernen). 
  • Nachhaltiges Lernen: Durch regelmäßige Abstände wandert Wissen ins Langzeitgedächtnis, statt nur kurzfristig abrufbar zu sein. 
  • Fokus auf Schwachstellen: Du wiederholst genau die Inhalte, die noch unsicher sitzen, statt alles im Gießkannenprinzip durchzugehen. 
  • Niedrige Einstiegshürde: Schon 10–20 Minuten pro Tag reichen, wenn du konsistent bleibst. Perfekt für stressige Phasen oder Studium neben Beruf. 
  • Mehr Transparenz & Selbstwirksamkeit: Tools zeigen dir deinen Fortschritt, die Erfolgsquote und welche Karten heute fällig sind. Das motiviert, und macht Lernen planbar. 

Grenzen & typische Stolpersteine 

So wirkungsvoll Spaced Repetition ist, ein paar Punkte solltest du kennen, damit du nicht frustriert startest: 

  • Anfangsaufwand beim Kartendesign 
    Gute Karten brauchen am Anfang etwas Zeit. Diese investierte Klarheit zahlt sich aber später massiv aus, weil du effizienter und stressfreier lernst. 
  • Regelmäßigkeit ist entscheidend 
    Spaced Repetition lebt von Kontinuität. Lässt du mehrere Tage aus, entsteht schnell ein Rückstau fälliger Karten. Kleine tägliche Sessions sind hier deutlich wirksamer. 
  • Nicht ideal für rein prozedurale oder kreative Aufgaben 
    Für offene Fragestellungen, Kreativprozesse oder komplexe Praxisfertigkeiten eignet sich SRS nur bedingt. Hier helfen eher Bausteine: Fachbegriffe, Checklisten oder wichtige Entscheidungskriterien. 
  • Karteninflation vermeiden 
    Zu lange Antworten, doppelte Inhalte oder überladene Karten bremsen deinen Lernflow. Deshalb lohnt sich ein wöchentliches „Aufräumen“: kürzen, splitten, doppelte Karten löschen. 

Für wen ist Spaced Repetition besonders geeignet?

Die Methode ist ideal geeignet für:

  • Studierende (insb. wissensintensive Fächer; Präsenz & Fernstudium). 
  • Berufstätige in Wissensberufen (Compliance, Standards, Modelle). 
  • Quereinsteiger & Weiterbildende (schnelle Wissensakkumulation). 
  • Lernende mit knappem Zeitbudget, die effizient & nachhaltig lernen wollen. 

Perfektes Match: Spaced Repetition & Pomodoro kombinieren 

Pomodoro und Spaced Repetition ergänzen sich ideal: Das eine hilft dir, fokussiert zu arbeiten, das andere sorgt dafür, dass du nachhaltig lernst. Zusammen bilden sie ein starkes Lern-Duo. 

  • Plane 1–2 Pomodoro-Blöcke pro Tag für deine fälligen Karten. So bleibt deine Wiederholungsroutine zuverlässig – ohne großen Zeitdruck. 
  • Nutze kurze Pausen für Mini-Sessions: 5 Minuten reichen oft für 15–25 Karten. Perfekt, um kleine Lücken zu schließen und den Flow beizubehalten. 
  • Deep-Work-Phasen eignen sich hervorragend für das Erstellen neuer Karten, das Ausformulieren von Antworten und das Entwickeln von Transfer- oder Anwendungsfragen. 

Dieser Ansatz verbindet dein bewährtes Pomodoro-Zeitmanagement mit einer wirksamen Methode zur Wissensfestigung, effizient, stressfrei und ideal für den Studien und Berufsalltag.

Häufige Fragen zur Methode Spaced Repetition (FAQ)

Ja. Der Spacing-Effekt und der Testing-Effekt gehören zu den robustesten Befunden der Lernpsychologie (Metaanalysen über Fächer, Altersgruppen, Materialarten).

Es gibt keinen Einheits-Plan; Intervalllängen hängen von Stoff, Vorwissen, Zieltermin und Abrufleistung ab. Leitner-Boxen (täglich → zweiwöchentlich/monatlich) oder Anki-Algorithmen setzen das adaptiv um.

Für den Start reichen 10–20 neue Karten/Tag. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit (fällige Karten priorisieren; Neuanteil langsam steigern).

Besonders – kurze, mobile Sessions lassen sich leicht in den Alltag integrieren (Pendeln, Pausen).

Ja: Gemeinsame Decks (Begriffe, Definitionen, Q&A), aber prüfe Qualität (konsistente Formate, Quellen, Lernziele).

Praxis-Checkliste

  • Lernziele & Prüfungsformat klären: Was wird abgefragt? Faktenwissen, Anwendung, Transfer? 
  • Inhalte clustern & priorisieren: Themen bündeln, Reihenfolge festlegen, Wichtiges zuerst. 
  • Karten erstellen: Eine Idee pro Karte im Active-Recall-Format (Frage → Antwort). 
  • Tägliche Wiederholungszeit blocken: Zum Beispiel 2×15 Minuten fest in den Tagesplan einbauen. 
  • Wöchentliche Karten-Hygiene: Kürzen, splitten, Duplikate entfernen, Beispiele ergänzen. 
  • Vor der Prüfung: Mehr Transfer und Anwendungsfragen einbauen, um echtes Verständnis zu testen. 
  • Nach der Prüfung: Deck archivieren, aber „Evergreen-Karten“ behalten – für langfristiges Wissen.

Fazit: Mit System wiederholen und Wissen dauerhaft behalten

Spaced Repetition ist eine einfach umsetzbare, hochwirksame Methode, um Wissen langfristig zu sichern. In Kombination mit Active Recall, gutem Kartendesign und kleinen, regelmäßigen Lernsessions entsteht ein Lernsystem, das sowohl effizient als auch nachhaltig ist, also ideal für Studierende, besonders im Fernstudium. Wer konsequent arbeitet, spürt schnell: Weniger „Bulimielernen“, sondern mehr echtes Verstehen und sichere Abrufbarkeit exakt zum Prüfungszeitpunkt und sogar darüber hinaus.

Literatur

Ebbinghaus, H. (1885). Über das Gedächtnis: Untersuchungen zur experimentellen Psychologie. Leipzig: Duncker & Humblot. 

Leitner, S. (1972). Lernen lernen: Der Weg zum Erfolg. Freiburg: Herder. 

Empfohlene aktuelle Quellen zur Vertiefung: 

Latimier, A., Peyre, H., & Ramus, F. (2021). A meta-analytic review of the benefit of spacing out retrieval practice episodes on retention. Educational Psychology Review, 33, 959–987. https://doi.org/10.1007/s10648-020-09572-8 

Murray, E., Horner, A. J., & Göbel, S. M. (2025). A meta-analytic review of the effectiveness of spacing and retrieval practice for mathematics learning. Educational Psychology Review, 37, Article 75. https://doi.org/10.1007/s10648-025-10035-1 

Price, D. W., Wang, T., O’Neill, T. R., Morgan, Z. J., Chodavarapu, P., Bazemore, A., Peterson, L. E., & Newton, W. P. (2025). The effect of spaced repetition on learning and knowledge transfer in a large cohort of practicing physicians. Academic Medicine, 100(1), 94–102. https://doi.org/10.1097/ACM.0000000000005856 

Tabibian, B., Upadhyay, U., De, A., Zarezade, A., Schölkopf, B., & Gomez-Rodriguez, M. (2018). Enhancing human learning via spaced repetition optimization. Proceedings of the National Academy of Sciences, 115(52), 13330–13335. https://doi.org/10.1073/pnas.1815156116 

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Prof. Dr. Jutta List-Ivankovic
Unsere Expertin
Prof. Dr. Jutta List-Ivankovic
Soziale Arbeit
Sozialpädagogik
Digitalisierung in Lehre und Praxis
Jutta List Ivankovic ist Professorin für Soziale Arbeit und Sozialpädagogik an der PFH und begleitet Studierende auf ihrem Weg zu einem selbstwirksamen, gut strukturierten und nachhaltigen Lernen. In ihrer Lehre verbindet sie wissenschaftlich fundierte Didaktik mit praxisnahen Strategien, die Studierenden helfen, komplexe Inhalte verständlich einzuordnen und langfristig zu behalten.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt für sie auf evidenzbasierten Lernmethoden wie Spaced Repetition, die zeigen, wie planvolles Wiederholen, kluge Strukturierung und realistische Lernroutinen zu mehr Klarheit, weniger Stress und dauerhaftem Lernerfolg führen. Ihr Anliegen: Studierende darin stärken, Lernprozesse bewusst zu gestalten – mit Methoden, die wirksam, alltagsfreundlich und individuell anpassbar sind.
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Lea Krispin
Unsere Expertin
Lea Krispin
Psychologin
Spezialistin für Beratung, Coaching und Gesundheitskommunikation
Lea Krispin ist Psychologin und promoviert im Bereich Differentielle und Persönlichkeitspsychologie. Nach ihrem Masterabschluss an der PFH widmet sie sich in ihrer Tätigkeit in Forschung und Lehre, der Frage nach nachhaltiger Gesundheit und Erfolg im Studium. 
Als Spezialistin für Beratung, Coaching und Gesundheitskommunikation engagiert sich Lea im Projekt PFH Vital, wo sie unter anderem einen Podcast zur psychologischen Gesundheitsförderung gestaltet und Studierende im Coaching begleitet. Darüber hinaus ist sie Co-Autorin im Bereich Coachingpsychologie und bringt ihre Expertise in verschiedene hochschulische Gesundheitsinitiativen ein.
Neben ihrer akademischen Tätigkeit ist Lea aktive Volleyballspielerin und -trainerin beim ASC Göttingen. Aus dem Sport bringt sie wertvolle Erfahrungswerte zu Selbstregulation, Teamdynamik, Belastungssteuerung und mentaler Stärke mit. Diese Verbindung aus Wissenschaft, Coachingkompetenz und eigener sportlicher Praxis prägt ihren Ansatz: ganzheitlich, reflektiert, menschlich und evidenzbasiert.