Universitätsgleichheit

PFH Psychologie Lehre Lepach

Interview mit Prof. Dr. Albe

Die PFH hat einen wichtigen Meilenstein erreicht. Was bedeutet die Universitätsgleichstellung konkret?

Sie bescheinigt unserer Fakultät Psychologie offiziell durch das niedersächsische Wissenschaftsministerium, dass Forschung und Lehre universitären Standards entsprechen. Das stand für mich ohnehin nie in Zweifel. Warum, könnten Sie jetzt fragen? Einerseits haben wir dieses seit 2016 nach der Gesetzgebung, die bis August 2020 galt, bereits bescheinigt bekommen. Andererseits haben wir durch kluge Berufungs- und Personalentwicklungspolitik darauf hingearbeitet. Somit schaffen wir erneut die Voraussetzung den approbationskonformen Studienweg in der Psychotherapie nach neuer Gesetzgebung anbieten zu können. 

 

Warum ist das gerade jetzt so wichtig?

Seit der Reform des Psychotherapeutengesetzes im Jahr 2020 führt der Weg zur Approbation nur noch über Universitäten oder gleichgestellte Hochschulen. Für uns wurde dieser Zugang, den wir nach alter Gesetzgebung bereits hatten, daher verschlossen, was sich auch deutlich in der Nachfrage nach Campusstudienplätze bemerkbar machte. Mit der nun erfolgten Gleichstellung können wir den erfolgreichen Weg wieder beschreiten. 

 

Wer profitiert davon?

Zunächst natürlich die Studieninteressierten, die ein umfassendes Psychologiestudium inklusive psychologischer Psychotherapie suchen. Psychologie zählt seit Jahren zu den beliebtesten Studienfächern, gleichzeitig gibt es bundesweit deutlich weniger Studienplatzangebote als Nachfrage. Mit unserem neuen Angebot schaffen wir zusätzliche Kapazitäten. Wir reden zu Beginn von 50 Bachelor- und 30 Masterstudierenden, die pro Jahr am Campus immatrikuliert werden können.   

 

Wie sieht der neue Studienweg aus?

Er beginnt mit dem polyvalenten Bachelor Psychologie und führt anschließend in den Masterstudiengang Klinische Psychologie und Psychotherapie, den wir kurz KliPP-Master nennen. Nach erfolgreichem Abschluss kann das Approbationsverfahren bei der zuständigen Landesbehörde beantragt werden. 

 

Die PFH startet gleichzeitig eine psychotherapeutische Hochschulambulanz. Was steckt dahinter?

Die Ambulanz oder genauer „Lehr- und Forschungsambulanz“ ist eine „conditio sine qua non“ und erfüllt gleich zwei Aufgaben: Sie ermöglicht die im KliPP-Master vorgeschriebenen Praxisbestandteile im Studium und verbessert zugleich die psychotherapeutische Versorgung in der Region, da mit der Anerkennung eine kassenärztliche Zulassung einhergeht. Gerade angesichts langer Wartezeiten auf Therapieplätze ist das ein wichtiger Beitrag.

 

Wie groß ist der Bedarf?

Er ist enorm. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Kinder und Jugendliche in Deutschland durchschnittlich mehr als sieben Monate auf den Beginn einer Psychotherapie warten. Zusätzliche Therapieangebote werden daher dringend benötigt. Wobei die Hochschulambulanz sowohl im Kinder- und Jugendlichen als auch Erwachsenen Bereich ihre Angebote hat.

 

Die Psychologie gibt es an der PFH bereits seit vielen Jahren. Ist die Gleichstellung die Krönung dieser Entwicklung?

Auf jeden Fall ist sie ein bedeutender Meilenstein. Wir lehren Psychologie seit 2014 im Fernstudium und seit 2015 am Campus. Wir gehören mit ca. 1.900 Studierenden zu den größten psychologischen Ausbildungsstandorten in Deutschland. Die aktuelle Entscheidung bestätigt die Qualität und Leistungsfähigkeit unseres Fachbereichs. 

 

Was bedeutet die Entscheidung für den Wissenschaftsstandort Göttingen?

Göttingen gewinnt ein weiteres Angebot für die Ausbildung künftiger Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Gleichzeitig entsteht mit der Hochschulambulanz ein zusätzlicher Baustein für die Versorgung der Menschen in der Region. Das ist ein Gewinn für Studierende, Patientinnen und Patienten und den Standort insgesamt.  Zu guter Letzt, dass unsere PFH an einer der renommiertesten Unistädte Deutschlands seine Position nach über 30 Jahren nicht nur hält, sondern deutlich gestärkt hat.

 

 

Prof. Dr. Frank Albe, Präsident der PFH

Prof. Dr. Frank Albe, Präsident der PFH

 

Bild von links:   Prof. Dr. Youssef Shiban, Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Therapieforschung  Prof. Dr. Stephan Weibelzahl, Wirtschaftspsychologie  Prof. Dr. Frank Albe (Präsident der PFH), Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Tourismusmanagement und Controlling  Prof. Dr. Anja Christina Lepach-Engelhardt, Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie

Bild von links: 
Prof. Dr. Youssef Shiban, Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Therapieforschung // Prof. Dr. Stephan Weibelzahl, Wirtschaftspsychologie // Prof. Dr. Frank Albe (Präsident der PFH), Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Tourismusmanagement und Controlling // Prof. Dr. Anja Christina Lepach-Engelhardt, Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie