Lernen lernen

Lernstrategien und Lernmethoden im Studium

Studenten tauschen sich in der Natur über ihre neuen Lernmethoden aus

Wer erfolgreich studieren möchte, braucht mehr als Motivation und Fleiß. Entscheidend ist, wie das Lernen geplant, gesteuert und konkret umgesetzt wird. Als Expertin für Lernbegleitung weiß Prof. Dr. Jutta List‑Ivankovic: Lernen ist sehr individuell und es ist lernbar. Durch den gezielten Einsatz von Lernstrategien und Lernmethoden kann das Studium erfolgreicher und sogar leichter und bewusster gestaltet werden. 

Ein Studium bietet die wertvolle Gelegenheit, herauszufinden wie das Lernen gut gelingt und in das Leben integriert werden kann. Es ist eine Zeit, in der Ausprobieren dazu gehört, Routinen entwickelt und neue Methoden entdeckt werden dürfen. Dieser Raum sollte genutzt werden, um Lernwege zu finden, die wirklich zur Persönlichkeit und zum eigenen Lerntyp passen. 

Was ist der Unterschied zwischen Lernstrategien und Lernmethoden?

Die Begriffe werden häufig synonym verwendet, beschreiben jedoch unterschiedliche Ebenen des Lernens.  

Lernstrategien umfassen den großen Plan hinter deinem Lernen: Sie bestimmen, wie du deinen gesamten Lernprozess organisierst, also welche Lernumgebung du wählst, wie du Ziele setzt, Zeit einteilst, Materialien auswählst und deinen Fortschritt überblickst, wie du mit Emotionen umgehst und deine Motivation aufrechterhält, um deine Ziele zu erreichen. Strategien steuern das Lernen auf einer übergeordneten Ebene und geben dir Struktur.  

Lernmethoden sind die konkreten Werkzeuge, mit denen du Inhalte tatsächlich lernst. Sie beziehen sich immer auf einzelne Aufgaben oder Stoffeinheiten und zeigen dir, wie du etwas ganz praktisch lernst, wie du einen speziellen Inhalt angehst, verinnerlichst, verstehst und eben „lernst“.  

Kurz gesagt:  

  • Lernstrategien gestalten den Rahmen für das Lernen 
  • Lernmethoden sind die Werkzeuge für konkrete Inhalte 

Lernstrategien helfen, das Lernen bewusst zu steuern und zu planen

Lernstrategien sind übergeordnete Vorgehensweisen, mit denen du deinen gesamten Lernprozess planen, organisieren und reflektieren kannst. Sie beantworten die grundlegende Frage: „Wie gehe ich mein Lernen insgesamt an? Wie mache ich das?“ Dazu gehören zum Beispiel: 

Lernstrategien wirken langfristig und geben deinem Studium Struktur, Orientierung und Realismus. Ziele, Ressourcen und Vorgehen werden zu einem stimmigen Plan zusammengefügt und erlauben Anpassungen, wenn sich Anforderungen ändern. 

Didaktisch sind Lernstrategien eng mit Konzepten des selbstregulierten Lernens verbunden. Sie ermöglichen es, Verantwortung zu übernehmen, den eigenen Fortschritt einzuschätzen und bei Bedarf Kurskorrekturen vorzunehmen. Ohne tragfähige Strategie bleiben selbst gute Methoden oft wirkungslos oder werden inkonsequent eingesetzt. 

Lernmethoden, mit denen du das Lernen konkret umsetzt

Lernmethoden sind spezifische Vorgehensweisen, mit denen Inhalte verarbeitet, vertieft und dauerhaft im Gedächtnis verankert werden. Sie beantworten die praktische Frage: „Wie lerne ich diesen Stoff jetzt konkret? Wie verinnerliche ich das Wissen?“ Typische Beispiele dafür sind Active Recall, Spaced Repetition, Mind Mapping, die SQ3RMethode sowie Umsetzungs- und Planungsinstrumente wie die Pomodoro-Technik, das Eisenhower-Prinzip oder die ALPEN-Methode. 

Während Lernstrategien den Rahmen liefern, sorgen Lernmethoden für die Umsetzung im Lernalltag. Die Wirksamkeit hängt davon ab, ob sie zur Aufgabe, zum Fach und zu dir persönlichen passen. Hier einige Beispiele für Lernmethoden: 

  • Active Recall: Aktives Abrufen von Wissen aus dem Gedächtnis – stärkt das Behalten und deckt Wissenslücken auf. 
  • Spaced Repetition: Zeitlich verteiltes Wiederholen – Inhalte werden in wachsenden Abständen wiederholt, um sie dauerhaft zu verankern. 
  • Mind Mapping: Komplexe Inhalte visuell strukturieren, Zusammenhänge erkennen und Ideen vernetzen – Inhalte werden verbildlicht. 
  • SQ3R: Systematisches Lesen wissenschaftlicher Texte: Survey, Question, Read, Recite, Review – Lesen wird professionalisiert. 
  • Pomodoro-Technik: Fokussiertes Arbeiten in klaren Zeitblöcken mit kurzen Pausen, um Konzentration und Energie zu halten – effektiv lernen. 
  • Eisenhower-Prinzip: Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit priorisieren – Klarheit für die Tagesplanung. 
  • ALPEN-Methode: Aufgaben notieren, Länge schätzen, Puffer einplanen, Entscheidungen treffen, Nachkontrolle – realistisch durch den Tag. 

Betrachte die Methoden als Werkzeugkiste: Es ist erlaubt zu wählen, zu kombinieren, zu verwerfen und neu zu sortieren – je nach Ziel, Textart, Prüfungsformat und verfügbarer Zeit. 

Bewege dich gelegentlich außerhalb der Komfortzone. Jeder Versuch ist ein Lernschritt und du gewinnst Erkenntnisse darüber, was für dich funktioniert und was nicht.

Bewährte Lernmethoden nach Lernphasen geordnet 

1. Wissen verstehen & strukturieren 

  • Mind Mapping – komplexe Inhalte visuell ordnen und Zusammenhänge sichtbar machen. 
  • SQ3R – Überblick gewinnen, Fragen formulieren, lesen, wiedergeben, nacharbeiten. 

2. Wissen verankern & langfristig merken 

  • Active Recall – Wissen aktiv abrufen, statt nur zu wiederholen. 
  • Spaced Repetition – Wiederholungen in sinnvollen Abständen, wenn Vergessen einsetzt. 

3. Lernen organisieren & Zeit managen 

  • Eisenhower-Prinzip – Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit sortieren. 
  • ALPEN-Methode – Tag strukturiert planen, Pufferzeiten realistisch einbauen. 
  • Pomodoro-Technik – In klaren Zeitblöcken arbeiten, Fokus und Energie halten. 

Was passt zu mir?

Die wichtigste Frage beim Lernen lautet: Was passt eigentlich zu mir? Das kannst du nur selbst herausfinden, Schritt für Schritt. Überleg dir, welche Ziele du in diesem Semester verfolgst und welche Anforderungen vorhanden sind. Überprüfe, welche Methode zur jeweiligen Aufgabe passt: eine Strategie für das Verstehen, für das Merken, für das Anwenden oder für das Schreiben. Ebenso entscheidend sind deine persönlichen Rahmenbedingungen: Wie viel Zeit, Raum und Energie hast du? In welcher Umgebung arbeitest du konzentriert?

Lernen ist immer individuell und genau deshalb ist es so wertvoll und wichtig, verschiedene Methoden auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und sich mit anderen darüber auszutauschen. Probiere aus, was dich anspricht, was dir guttut und was dich weiterbringt. Und vor allem: Trau dich, Neues zu wagen und über dich hinauszuwachsen. Jede Entdeckung über deinen eigenen Lernstil bringt dich einen Schritt weiter auf deinem ganz persönlichen Erfolgsweg. 

Fazit: Wie du Lernstrategien und Lernmethoden sinnvoll einsetzt

Nachhaltiger Studienerfolg entsteht nicht durch einzelne Tricks oder kurzfristige oder zufällige Erfolge, sondern durch das bewusste Zusammenspiel von Lernstrategien und Lernmethoden. Strategien schaffen Struktur, Orientierung und Motivation; Methoden sorgen für Tiefe, Verarbeitung und Behalten. Wer beides reflektiert kombiniert, lernt effektiver und mit mehr Klarheit, Selbstvertrauen und wissenschaftlicher Professionalität. Entdecke deine eigenen Erfolgsgeheimnisse und Methoden, um Lernen zu einem schönen Teil deines Studienlebens zu machen! 

Lernen solltest du nicht als starre Pflicht, sondern als lebendige Praxis erleben, die sich mit dir weiterentwickelt.

Literatur

  • Hardeland, H. (2022). Lernen, wie geht das? – 40 Lernstrategiekarten zum eigenständigen Lernen (1. Aufl.). Beltz.
  • Hardeland, H. (2024). Lerncoaching und Lernberatung: Lernende in ihrem Lernprozess wirksam begleiten und unterstützen (7. Aufl.). wbv Media.
  • Hofmann, E., & Löhle, M. (2016). Erfolgreich lernen: Effiziente Lern- und Arbeitsstrategien für Schule, Studium und Beruf (3., überarb. Aufl.). Hogrefe Verlag. 
  • Martin, P.-Y., & Nicolaisen, T. (Hrsg.). (2015). Lernstrategien fördern: Modelle und Praxisszenarien. Beltz Juventa.
  • Metzig, W., & Schuster, M. (2020). Lernen zu lernen: Lernstrategien wirkungsvoll einsetzen. Springer Berlin Heidelberg.
  • Reichel, T., & Jung, M. (2022). How to Fernstudium: Mit mehr Zeit, weniger Stress und besseren Noten durch deine berufsbegleitende Weiterbildung. Studienscheiss.
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Prof. Dr. Jutta List-Ivankovic
Unsere Expertin
Prof. Dr. Jutta List-Ivankovic
Soziale Arbeit
Sozialpädagogik
Digitalisierung in Lehre und Praxis
Prof. Dr. Jutta List-Ivankovic ist Professorin für Soziale Arbeit und Sozialpädagogik an der Privaten Hochschule Göttingen (PFH). Sie verfügt über langjährige Erfahrung in Hochschuldidaktik, Studiengangsentwicklung und der Begleitung von Fernstudierenden. Sie gilt als ausgewiesene Expertin für Lernbegleitung, selbstreguliertes Lernen und die didaktische Gestaltung wirksamer Lernprozesse. In ihrer Lehre verbindet sie Wissenschaftlichkeit mit einer konsequent studierendenorientierten Haltung, die Lernende darin bestärkt, ihren individuellen Lernstil zu entdecken, Motivation zu entwickeln und Lernstrategien gezielt einzusetzen. Sie unterstützt Studierende darin, ihre eigenen Lernwege zu finden und Lernen als kognitives, soziales und emotionales Phänomen zu betrachten.